​Paycom Software – ein aufstrebender SaaS-Anbieter mit Fokussierung auf die Personalwirtschaft

08.10.2019 | Frank Seehawer

Paycom Software

Dass die Digitalisierung von Prozessen für viele Unternehmen eine Chance sein kann, haben wir bereits mit Artikeln über CarGurus oder Booking Holdings erfahren. Hier wurde der Kauf- oder Anmietprozess mittels einer Plattform wesentlich erleichtert und ein Preisvergleich deutlich vereinfacht.

Heute wollen wir uns einmal ein Unternehmen anschauen, dass von der Digitalisierung der Personalwirtschaft profitiert und das digitale Zeitalter für Lohn- und Gehaltsabrechnungen eingeläutet hat.

Die Rede ist von Paycom Software (ISIN: US70432V1026), einem Pionier für Human-Resource-Lösungen, die als Software-as-a-Service (SaaS) vertrieben wird. Das Unternehmen zeichnet sich durch ein hohes Wachstum bei einer starken Profitabilität aus. Warum das Unternehmen allerdings nur auf die Watchlist kommt, das werden wir in diesem Quick-Check erörtern.

Unternehmensprofil von Paycom Software

Paycom Software ist ein Anbieter von cloud-basierten Softwarelösungen rund um das Thema Human Resource Management und Human Capital Management. Hierbei werden Funktionen und Datenanalysen für den gesamten Lebenszyklus eines Beschäftigten – von der Einstellung bis zur Pensionierung – als SaaS-Lösung bereitgestellt.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1998 von Chad Richison, einem ehemaligen Angestellten der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Als Gründer und aktueller CEO hält Chad Richison heute noch rund 13,8 % der Unternehmensanteile.

Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf Online-Gehaltsabrechnungen zurück. Über die Jahre ist Paycom durch die Entwicklung weiterer Dienstleistungen und Services – wie beispielsweise dem Personalmanagement, E-Verify, Kostenmanagement, der Dokumentenspeicherung oder das On-Boarding – stetig organisch gewachsen. Heute gilt Paycom als einer der ersten Komplettanbieter von Online-Lohnbuchhaltungen in den USA mit über 23.500 Klienten.

Die Erfolgsgeschichte spiegelt sich auch in den Unternehmenszahlen wider: Im Geschäftsjahr 2018 konnte Paycom Gesamtumsätze von 566,3 Millionen US-Dollar erzielen. Das operative Ergebnis erreichte einen Wert von 173,7 Millionen US-in Dollar – woraus sich eine operative Marge von 30,7 % ergibt.

Die guten Unternehmenszahlen sind auch auf das Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen zurückzuführen. So berechnet Paycom wiederkehrende Gebühren für die Mitarbeiterakquise, das Zeit- und Arbeitsmanagement oder für Gehaltsabrechnungen. Diese errechnen sich aus einem festen Betrag pro Abrechnungsperiode zuzüglich einer Gebühr pro Mitarbeiter oder Transaktion. Im Geschäftsjahr 2018 wurden 98,4 % der Gesamtumsätze mit solchen wiederkehrenden Umsätzen erzielt.

Die durchschnittliche jährliche Umsatzwachstumsrate in den letzten drei Jahren (2015 bis 2018) betrug 39 %. Der Umsatzzuwachs im Geschäftsjahr 2018 lag mit 31 % allerdings leicht unterhalb dieses Durchschnittswertes. Paycom ist ein Wachstumswert und belegt aktuell den sechsten Platz auf der Fortune's 100 Fast-Growing Companies List – sogar vor Unternehmen wie Adobe, Amazon, Facebook und Salesforce!

Die letzten Quartalszahlen und der Ausblick auf das Gesamtjahr 2019

Das Wachstum des zweiten Quartals 2019 zeigt gegenüber den Wachstumsraten des Geschäftsjahres 2018 keine Abschwächung. Hier wurde ein Umsatzanstieg von 31 % auf einen Wert von 169,3 Millionen US-Dollar realisiert.

Das Periodenergebnis (Net Income) nach dem Rechnungslegungsstandard US-GAAP belief sich auf 48,8 Millionen US-Dollar für das zweite Quartal 2019 – ein Zuwachs von 36,7 %.

Für das Gesamtjahr 2019 wird von einer Fortsetzung des Wachstumstrends ausgegangen, auch wenn die Werte etwas schwächer ausfallen als noch in den Vorjahren. So rechnet das Management mit Gesamtumsätzen in einer Spanne von 728 bis 730 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) soll sich in einer Spanne von 306 bis 308 Millionen US-Dollar einpendeln.

Die Wachstumsrate würde sich somit im günstigsten Fall beim Gesamtumsatz auf 28,9 % belaufen. Das EBITDA-Wachstum würde im günstigsten Szenario mit 27,9 % etwas schwächer ausfallen. Festzuhalten bleibt, dass sich das Wachstum im Vergleich zu den letzten Jahren weiter abschwächt, aber immer noch hoch ist.

Besonderheiten in der Bilanz – unbedeutende Goodwills und 94,8 Millionen Cash

Zum 30. Juni 2019, dem Stichtag des Halbjahresberichtes, wurde von Paycom eine Bilanzsumme von 1,8 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Ein Großteil dieser Summe (1,13 Milliarden US-Dollar) ist auf die sogenannten "Funds held for clients" zurückzuführen.

Insgesamt ist – aufgrund des organischen Wachstums – nur ein Goodwill von 51,9 Millionen US-Dollar in der Bilanz zu finden, dem ein Eigenkapitalwert von 434,8 Millionen US-Dollar gegenüberstand. Die Cash & Cash Equivalents beliefen sich auf 94,8 Millionen US-Dollar.

Aktienkursentwicklung von Paycom Software

Paycom Software Chart

Quelle: Wallstreet-online.de. Werte in US-Dollar, Stand: 08.10.2019.


High-Growth-Investing Analyse

Paycom Software HGI-Kennzahlen

Kommen wir nun zu den Werten der High-Growth-Investing Analyse. Mit einem Score von 12 Punkten ist das Unternehmen ein aktueller Topscorer der HGI-Strategie von Stefan Waldhauser.

Dabei trugen fast alle Punkt-Kategorien zum HGI-Score bei. Besonders viele Punkte gab es für die Gross Margin, dem Verschuldungsgrad sowie dem Score der Rule-of-40. Die Kennzahlen Umsatzwachstum sowie das PEG-Ratio leisteten mit zwei Punkten bzw. einem Punkt einen bedeutenden Beitrag zum hohen Score. Für die wichtige Kennzahl EV/Sales gab es allerdings keinen Punkt.

Fazit – ein spannendes Unternehmen, aber zu teuer...

Paycom zeichnet sich in der Tat durch ein interessantes Geschäftsmodell aus, welches sehr stark von wiederkehrenden Umsätzen geprägt ist. Die hohe Abhängigkeit der Klienten von den Diensten ist für Paycom eine wahre Goldgrube – was man auch an den sehr hohen Margen erkennen kann.

Das Unternehmen profitiert hier besonders von seiner Pionierleistung und dem Trend der Digitalisierung von personalwirtschaftlichen Prozessen. Hierbei kann Paycom Software den großen Playern wie ADP oder Paychex ordentlich Marktanteile abgewinnen.

Es bleibt einzig die Frage offen, was passieren wird, wenn diese großen Player mit ihren starken Cashflows in den Markt einsteigen. Erst dann wird sich zeigen, wie einzigartig die cloud-basierte Plattform von Paycom wirklich ist. Denkbar wäre auch, dass große Technologiekonzerne wie Oracle oder ServiceNow den Markt für sich entdecken. Diese Unternehmen sind auch in der Vergangenheit mit Akquisitionen häufiger aufgefallen.

Aktuell befindet sich das Wachstum noch auf einem hohen Niveau, schwächt sich allerdings mehr und mehr ab. Auch ist Paycom Software – ähnlich wie Personaldienstleister – stark an der Entwicklung der US-Wirtschaft gekoppelt.

Investoren sehen für Paycom eine große Zukunft. Das kann man an der Bewertungskennzahl EV/Sales ablesen. Diese beläuft sich aktuell auf 17 und ist alles andere als günstig. Auch aufgrund des sich weiter abschwächenden Wachstums erscheint die Kennzahl zu hoch, um eine Position aufzubauen. Die Aktie bleibt aber spannend und kommt auf die Watchlist der HGI-Strategie.