Ist der SaaS-Anbieter Smartsheet ein gutes High-Growth-Investment?

14.09.2019 | Frank Seehawer

Smartsheet Aktie

Software-Aktien haben aufgrund ihr Skalierbarkeit und ihres hohen Margen-Potenzials für viele Investoren einen besonderen Reiz. Man mag nur an die Erfolgsgeschichte von Bill Gates mit Microsoft denken, um zu erahnen, was mit Software-Aktien möglich ist.

Eine besonders stark wachsende US-Aktie des Sektors wollen wir heute mit Smartsheet (ISIN: US83200N1037) vorstellen. Das Unternehmen ist ein sogenannter Software-as-a-Service (SaaS) Anbieter und zeichnet sich durch ein starkes Wachstum bei geringer Verschuldung sowie einer hohen Gross Margin aus. Diese drei Werte haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Unternehmen zu einem Topscorer der High-Growth-Investing-Strategie geworden ist. Ob Smartsheet wirklich so gut ist wie seine Punktwerte es suggerieren, werden wir in diesem Quick-Check überprüfen.

Das Unternehmensprofil von Smartsheet – 90 % wiederkehrende Einnahmen auf jährlicher Basis

Gegründet wurde das in Bellevue (Washington) ansässige Unternehmen im Jahr 2006 und verfügt mittlerweile über 97.000 Kunden. Zwei Drittel der Fortune 500 Unternehmen nutzen Lösungen von Smartsheet.

Smartsheet bietet eine Cloud-basierte Plattform zur Koordination und Ausführung von Projektarbeiten. Als Software-as-a-Service Provider entwickelt Smartsheet Lösungen für die Zuweisung von Aufgaben, der Verfolgung von Projektfortschritten oder die Verwaltung von Kalendereinträgen. Auch können Dokumente leicht geteilt und freigegeben werden. Man kann sich Smartsheet als Alternative zu Microsofts Excel vorstellen, die deutlich verbesserte Funktionen zur Zusammenarbeit in Projekten enthält. Das Ziel solcher Workflow Management Software ist es, Arbeitsprozesse effizienter und übersichtlicher zu gestalten.

Das monetäre Geschäftsmodell von Smartsheet basiert auf einem Abo-Modell, bei dem auf monatlicher Basis ein fester Betrag – bei einer in der Regel jährlichen Zahlung – als Umsatz generiert wird. Rund 90 % der Umsätze (178 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2018/2019) wurden durch solche Subskriptionen erzielt. Die Umsätze sind damit sehr gut planbar.

Nach Aussagen der Marktforscher Forrester und IDC soll der Markt für kollaborative Applikationen und Projektmanagementsoftware bis zum Jahr 2021 auf ein Volumen von 31,5 Milliarden Dollar heranwachsen – innerhalb dieses durchaus großen Marktes kann Smartsheet mit seinem derzeitigen Angebot allerdings nur eine Nische bedienen.

Insiderverkäufe – Management sitzt nicht wirklich mit im Boot und verkauft Aktien

Seit dem Jahr 2007 ist Mark Mader Chief Executive Officer von Smartsheet. Mark Mader hält keine wesentlichen Anteile am Unternehmen. Auffallend ist jedoch, dass er und seine Führungskräfte regelmäßig Aktien von Smartsheet abgestoßen haben.

Die letzten Q2-Zahlen – 53 % Umsatzzuwachs bei operativen Verlusten

Die letzten Quartalszahlen zum Q2 des FY2020 zeigen ein weiter starkes Wachstum an. So erhöhten sich die Umsätze des zweiten Quartals um 53 % auf einen Wert von 64,6 Millionen US-Dollar. Die Billings beliefen sich auf 79,5 Millionen US-Dollar – ein Wert, der um 52 % über dem Vorjahreswert liegt. Insgesamt beläuft sich der Non-GAAP Verlust für das zweite Quartal auf operativer Ebene auf 10,8 Millionen US-Dollar oder 0,08 US-Cent je Aktie.

Eine schuldenfreie Bilanz ohne wesentliche Goodwills

Einblick in die letzte Bilanz des zweiten Quartals zeigt, dass Smartsheet finanziell gut ausgestattet ist. Es wurden insgesamt Cash und Cash Equivalents in Höhe von 209 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Gemessen an der Bilanzsumme von 363 Millionen US-Dollar entsprechen diese liquiden Mittel einem Anteil von über 50 % der Bilanzsumme. Finanzschulden oder einen Goodwill gibt es im weitesten Sinne nicht.

Unternehmensausblick für 2019 – weiter starkes Wachstum prognostiziert bei deutlichen Verlusten

Für das bis zum 31.01.2020 laufende Geschäftsjahr erwartet das Management Umsätze in einer Spanne von 265 bis 268 Millionen US-Dollar zu generieren. Gegenüber dem Vorjahr entsprechen diese Planwerte einem Wachstum zwischen 49 und 51 %.

Der operative Verlust soll sich dabei auf einen Wert von 70 bis 66 Millionen US-Dollar belaufen, was einer operativen Marge von -26 bis -25 % gleichkommt. Der Free Cashflow soll mit -25 Millionen US-Dollar weiterhin deutlich negativ sein. Zu Beginn des Jahres wurde hier noch von etwas besseren Werten ausgegangen. Es wird also derzeit umfangreich in das weitere Umsatzwachstum investiert wie bei vielen High-Growth-Unternehmen üblich.

Aktienkurs auf Konsolidierung

Smartsheet Chart

Quelle: Wallsreet-online.de; Stand: 13.9.2019


Kennzahlen der HGI-Strategie - Stand: 13.9.2019

Smartsheet HGI-Kennzahlen

Mit einem HGI-Score von 12 ist die Smartsheet-Aktie ein aktueller Topscorer der High-Growth-Investing-Strategie von Stefan Waldhauser. Die höchsten Punktwerte konnte die Software-as-a-Service-Aktie in den vier Bereichen Gross Margin, Rule-of-40-Score, Verschuldungsgrad sowie Umsatzwachstum erzielen.

Fazit – ein Kandidat für die Watchlist

Das Geschäftsmodell von Smartsheet zeichnet sich aufgrund der Subskriptionen durch eine hohe Planbarkeit aus. Das Wachstum ist – auch wenn es sich zuletzt etwas abschwächte – mit rund 50 % beeindruckend schnell und zeigt, dass der Markt für Workflow-Management Software gerade erst erschlossen wird. Es gibt allerdings zwei Punkte, die dafür sorgen, dass das Unternehmen derzeit für uns nicht für ein Investment in Frage kommt . Der erste Punkt wäre die hohe Bewertung mit einem EV/Sales Ratio von 22. Ein Umsatz Multiple von über 20 ist einfach viel zu teuer für ein Unternehmen, das noch nicht nachgewiesen hat, dass es einen großen Markt auch wirklich mit einem profitablen Geschäftsmodell adressieren kann.

Der zweite Punkt wäre die negative Ertragssituation, die sich auch auf der Free Cashflow Ebene fortführt. Smartsheet erkauft sich das Wachstum derzeit durch hohe Aufwendungen in Marketing, Vertrieb sowie der Produktentwicklung. Auch wenn das Unternehmen mit seiner hohen Bruttomarge (Gross Margin) glänzen kann, so kommen die Erträge noch nicht beim EBIT an. Dieser Sachverhalt hatte sich zuletzt nicht wie geplant verbessert.

Eine grundsätzliche Frage bleibt zudem, warum das Management ständig Smartsheet Aktien verkauft und nicht ein langfristiger Investor sein möchte.

Für die HGI-Strategie ist Smartsheet somit erst einmal kein Kaufkandidat.