​Apple: Ein perfektioniertes technologisches Ökosystem

16.10.2019 | Frank Seehawer

Apple Aktie

Im Zeitalter von Mobilität und Konnektivität gibt es ein Unternehmen, dass sich besonders stark im Markt für mobile Endgeräte – Smartphones und Tablets – positioniert hat. Die Rede ist hier von Apple (ISIN: US0378331005), dem wohl bekanntesten Hersteller von Premium-Smartphones.

Mit seinen iPhones, iPads, iPods und iMacs hat das Unternehmen über Jahre ein geniales Ökosystem aufgebaut und in der breiten Masse erfolgreich skaliert. Der grandiose Erfolg von Apple‘s Produkten spiegelt sich nicht nur fundamental in den Unternehmensbilanzen wider, sondern auch im Aktienkurs. Dieser erreicht regelmäßig neue Höchststände, wodurch Apple als erstes Unternehmen der Geschichte eine – nach europäischen Standard – Billionen-Dollar-Bewertung erreichte. Ob diese Bewertung wirklich gerechtfertigt ist und warum die Apple-Aktie aktuell ein Topscorer der Levermann-Strategie ist, das wollen wir in diesem Quick-Check prüfen.

Apple’s Universum: Fünf Unternehmensbereiche bilden zusammen ein geniales Ökosystem

Apple ist ein amerikanischer Hersteller von Hard- und Softwareprodukten und wurde im Jahr 1976 von Steve Wozniak, Steve Jobs und Ron Wayne gegründet. In den Anfangsjahren lebte Apple noch von der Entwicklung und dem Verkauf von Personal Computern. Das iPhone war das Produkt, das Apple zu seiner unglaublichen Erfolgsgeschichte verhalf und dominiert auch heute noch das Zahlenwerk. So wurden im Geschäftsjahr 2018 iPhones im Wert von 166,7 Milliarden US-Dollar verkauft. Der Mac-Computer brachte 25,5 Milliarden US-Dollar an Umsatz ins Unternehmen und die iPads zu guter Letzt 18,8 Milliarden US-Dollar.

Strategische Wachstumstreiber – Services und sonstige Produkte

Die weiteren Produktsegmente, Services und sonstige Produkte, leisteten mit einem Umsatz von 37,2 und 17,4 Milliarden US-Dollar ebenfalls große Umsatzbeiträge.

Strategisch gesehen sind diese jedoch von immenser Wichtigkeit. Hinter ihnen stehen Dienstleistungen wie Apps oder digitaler Content, die man fast ausschließlich mit Apple-Produkten nutzen kann. Sie bieten den wahren Mehrwert der Hardware und fachen so die neuen Produktverkäufe an – und das funktioniert ganz gut.

Kein Wunder also, dass diese beiden Segmente mit Umsatzsteigerungen von 35 % für die sonstigen Produkte und 24 % bei den Services die Wachstumstreiber des Unternehmens waren.

Auch die iPhone-Verkäufe erhöhten die Umsätze im Geschäftsjahr 2018 um 18 %. Eine große Bedeutung hat die Preis-Mengen-Strategie. Apple verkauft seine Produkte aktuell sehr hochpreisig und schafft es, durch sein einzigartiges Marketing, hohe Stückzahlen zu vertreiben. Die Kunst ist es, die optimale Preis-Mengenkombination zu treffen, die den höchsten Umsatz bringt. Einen großen Einfluss auf diese Preisgestaltung werden in Zukunft die After-Sales-Services haben. Denkbar wäre sogar, dass Apple seine Geräte verschenkt und das Geld über Services verdient – eine Strategie wie sie bereits in ähnlicher Weise von Xiaomi verfolgt wird.

Ökosystem führt zu Traumrenditen

Bei einem Gesamtumsatz von 265,6 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2018 erzielte Apple ein operatives Ergebnis von 70,9 Milliarden US-Dollar. Das Nettoergebnis (Net Income) belief sich auf 59,5 Milliarden US-Dollar. Eine operative Marge errechnet sich mit 26,7 %, die Nettoumsatzrendite mit 22,4 %.

Die Goldnuggets liegen allerdings im Servicegeschäft. Im letzten Quartalsbericht war dieser Bereich mit einer Gross Margin von 64,1 % mehr als doppelt so profitabel wie das Produktgeschäft. Eigentlich müsste Apple hier – über günstigere iPhone Preise – viel mehr Nutzer auf seine Plattform bringen.

Die letzten Q3-Zahlen: Stagnation bei den Produktverkäufen; Servicegeschäft ist weiter stark

Die aktuellen Neun-Monats-Zahlen (Stichtag des 29. Juni 2019) zeigen indes ein gemischtes Bild. Insgesamt lagen die Produktverkäufe mit 162,4 Milliarden US-Dollar leicht unterhalb des Vorjahreswerts von 173,6 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 6,5 %.

Ein Blick in die Umsatzzahlen der Produktkategorien zeigt, dass der größte Umsatzrückgang wirklich beim iPhone realisiert wurde. Insgesamt ging der Umsatz hier in den ersten neun Monaten um 15 % zurück. Alle anderen Kategorien verzeichneten ein zweistelliges Umsatzplus – mit Ausnahme der verkauften Mac-Computer, die um 5 % zulegen konnten.

Deutlich besser entwickelte sich das Servicegeschäft. Hier wurden Umsätze in Höhe von 33,8 Milliarden US-Dollar erzielt, die deutlich oberhalb des Vorjahreswerts von 29,2 Milliarden US-Dollar lagen. Der Zuwachs beträgt 15,8 %.

Das operative Ergebnis des 9-Monats-Berichtes sank von 54,8 Milliarden US-Dollar auf 48,3 Milliarden US-Dollar.

Hohe Cashbestände und Aktienrückkäufe

Apple ist nicht nur hochprofitabel, sondern generiert auch starke Free-Cashflows. Im Geschäftsjahr 2018 wurde ein operativer Cashflow von 77,4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Abzüglich der Cashflows, die in das Anlagevermögen flossen (13,3 Milliarden US-Dollar) sowie der akquisitionsbedingten Cashflowabflüsse (721 Millionen US-Dollar) errechnet sich ein Free-Cashflow von 63,4 Milliarden US-Dollar.

Durch die Anhäufung hoher Cash-Bestände gab es von Apple in der Vergangenheit die Überlegung, dieses Geld in den Ankauf eigener Aktien zu stecken. Was Anfangs – im Jahr 2013 – mit einem genehmigten Programm von 10 Milliarden US-Dollar begann, wurde bis auf 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 gesteigert. Im April 2019 wurden weitere 75 Milliarden US-Dollar genehmigt. Zusätzlich gab es stetige Erhöhungen der Quartalsdividende von 0,38 US-Dollar pro Aktie im Jahr 2003 auf 0,73 US-Dollar im Jahr 2018. Die aktuelle Quartalsdividende beläuft sich auf 0,77 US-Dollar.

Trotz der gestiegenen Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen schwimmt Apple weiter in Cash. Im Neun-Monats-Bericht wurden Cash & Cash Equivalents im Wert von 50,5 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Zusätzlich existierten kurzfristig gehaltene Wertpapiere im Wert von 44,1 Milliarden US-Dollar sowie nicht kurzfristig gehaltene Wertpapiere von 116 Milliarden US-Dollar.

Einen Teil der Käufe eigener Aktien wurde mit Fremdkapital finanziert, sodass sich Schulden im Wert von 84,9 Milliarden US-Dollar in Apple‘s Bilanz finden lassen. Die kurzfristigen Schulden belaufen sich auf 13,5 Milliarden US-Dollar.

Aktienkursentwicklung

Apple Chart

Quelle: Wallstreet-Online.de; NASDAQ-Werte in US-Dollar, Stand: 17.10.19.


Levermann-Analyse

Apple Levermann-Analyse

Was zeichnet die Apple-Aktie aus Sicht der Levermann-Strategie aus? Besonders positiv zeigen sich die fundamentalen Kennzahlen der Eigenkapitalrendite, Eigenkapitalquote, das Gewinnwachstum sowie die EBIT-Marge. Für diese vier Kennzahlen gab es jeweils einen Punkt.

Auf der technischen Seite gab es für das steigende Kursmomentum sowie für die positive Kursentwicklung der letzten sechs Monate zwei Punkte. Zusätzlich erhielt die Apple-Aktie einen Punkt für die Reaktion auf die Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen.

Zwei Punktabzüge gab es für die Bewertungen. Insgesamt beläuft sich der Levermann-Score auf fünf Punkte – was einer Kaufempfehlung gemäß der Levermann-Strategie gleichkommt.

Fazit – Apple hat eine gute Marktposition und faire Bewertung

Apple ist ein spannendes Technologieunternehmen mit einem hohen Marktanteil im Smartphone-Markt. Die Strategie des Unternehmens basiert auf einem Mix von Produkt- und Servicegeschäft, wobei das Service-Geschäft gemessen an der Bruttomarge deutlich profitabler ist und auch schneller wächst. Bei langfristig denkenden Investoren könnten hier einige Glücksgefühle aufkommen.

Mit steigenden Nutzerzahlen auf der Plattform sollte das Servicegeschäft weiter an Bedeutung gewinnen und Apple so unabhängiger von seinen Produktzyklen machen.

Als Premium-Anbieter sind die Apple-Produkte nicht billig. Die Hardware selbst ist im Vergleich zum Wettbewerb nicht mehr besonders innovativ. Der Wert eines Smartphones liegt in seiner Software und in den dazu angebotenen Dienstleistungen. Apple hat sich hier eine gute Position erarbeitet und bietet eine große Auswahl an Softwareapplikationen und digitalen Content.

Ein Risiko ist in dem kurzen Lebenszyklus von technologischen Produkten zu sehen, welches auch schon Nokia und Blackberry zum Verhängnis wurde. Diese hatten allerdings damals kein wirklich funktionierendes Ökosystem.

Auch die Abhängigkeit des Geschäftsmodells von chinesischen Partnern wie Foxconn könnte im Falle einer Ausdehnung des Handelskrieges Gegenwind für Aktionäre bedeuten.

Die Aktie ist mit einem KGV von 19,5 zwar nicht billig – für den Marktführer im Premiumbereich von Smart Devices – wohl aber fair bewertet.