Free Cashflow

Der Begriff Free Cashflow kommt aus dem angelsächsischen Raum und bedeutet wörtlich übersetzt freier Zahlungsfluss.

Hierbei handelt es sich um eine Finanzkennzahl, die gegenüber dem Jahresüberschuss oder dem Gewinn eines Unternehmens eine bessere Interpretierbarkeit der Ertragslage erlaubt.

Vereinfacht gesprochen gibt sie darüber Auskunft, wie viel des erwirtschafteten Gewinns am Ende einer Wirtschaftsperiode in der Kasse des Unternehmens liegen bleibt und damit für Gewinnausschüttungen, Investitionen oder zur Schuldentilgung zur Verfügung steht.

Wie errechnet sich der Free Cashflow?

Der Free Cashflow ergibt sich aus dem operativen Cashflow, also den durch die Geschäftstätigkeit erwirtschafteten liquiden Mittel, abzüglich des Cashflows aus der Investitionstätigkeit. Ein Unternehmen, das hohe Investitionen zu tätigen hat, wird tendenziell einen geringeren Free Cashflow haben.

Einfache Free Cashflow Beispielrechnung:

Jahresüberschuss / Gewinn einer Periode € 100.000
+ Abschreibungen € 10.000
- Sonstige Erträge € 10.000
+ Zinsaufwendungen € 1.000
= Operativer Cashflow € 101.000
- Cashflow aus Investitionstätigkeit € -200.000
= Free Cashflow € -99.000

Oftmals weichen der Free Cashflow und der bilanzierte Jahresüberschuss erheblich voneinander ab. Viele schnell wachsende Unternehmen weisen bereits einen positiven Free Cashflow aus, obwohl sie noch erhebliche Verluste ausweisen.

Wie kommt es zu einem Unterschied zwischen Jahresüberschuss und Free Cashflow?

Dass der Jahresüberschuss von dem Free Cashflow abweicht, liegt hauptsächlich daran, dass Auszahlungen für Investitionen erst in späteren Jahren zu Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung führen.

Umgekehrt sind manche Ausgaben wie z.B. Personalkosten für Aktienoptionsprogramme nicht Cashflow-relevant, so dass der ausgewiesene Gewinn niedriger als der Cashflow ausfallen kann.

Wahlrechte bei der Bilanzierung begünstigen zusätzlich Abweichungen von dem Free Cashflow. Sie können am Ende die tatsächliche Finanz- und Ertragslage verzerren. Dies ist aber keine Bilanzfälschung, sondern ein rechtlicher Spielraum.

Viele Investoren bevorzugen den Free Cashflow als Bewertungskennzahl gegenüber dem ausgewiesenen Gewinn, da der Cashflow weniger vom Management “manipuliert” werden kann und oftmals das reale Bild genauer wiedergibt.

Für wen ist die Unterscheidung zwischen Free Cashflow und Jahresüberschuss sinnvoll?

Besonders bei den von Investoren beliebten internationalen Rechnungslegungsstandards US-GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles) und IFRS (International Financial Standards) kommt der Darstellung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage eine hohe Bedeutung zu. Oftmals wird hier auch von einem “true and fair view” gesprochen.

Was sagt die Kennzahl Free Cashflow aus?

Besonders an der Börse ist die Kennzahl Free Cashflow sehr beliebt. Sie zeigt Investoren sehr deutlich, wie die finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens aussieht.

Aber auch Banken und Lieferanten, also Kreditgeber nutzen den Free Cashflow, um die Zahlungsfähigkeit aus den laufenden Zahlungsströmen zu beurteilen.

Weiter kann der Free Cashflow bei der Entscheidungsfindung zur Gewinnverwendung hilfreich sein. Mit ihm kann man gut vermitteln, wie viel Geld in Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen gesteckt werden kann, ohne Schulden aufzubauen.

Auch die Bewertung eines Unternehmens basiert am Finanzmarkt häufig auf dem Free Cashflow. Hierbei werden die erwarteten zukünftigen Free Cashflows diskontiert (abgezinst), die als Summe einen Schluss auf den fairen Unternehmenswert zulassen.