Sberbank Aktie: Russische Sparkasse zum Technologie-Highflyer?

10.01.2022 | Frank Seehawer

Sberbank Aktienanalyse

Banken hatten es seit der Finanzkrise im Jahr 2008/2009 nicht leicht. Viele Institutionen kämpften seither mit den Altlasten der Subprime-Krise und wurden zudem noch stark reguliert. Hinzu kam, dass seit einem Jahrzehnt ein niedriges Zinsniveau es erschwerte, eine gute Zinsmarge zu generieren.

Das Blatt scheint sich nun zu wenden, denn mit einem Anstieg der Inflationserwartungen steigen auch langsam die Zinsen an den Märkten. Profiteure hiervon könnten die lange Zeit arg gebeutelten Großbanken sein. Ihre Bewertungen liegen teilweise noch auf einem attraktiven Niveau, was sie zu einem interessanten Value Investment machen könnte.

Zu einer solchen Großbank gehört auch die russische Sberbank Aktie (ISIN: US80585Y3080). Spannender als das Kerngeschäft entwickelt sich derzeit das Non-Financial-Geschäft. In ihm befinden sich zahlreiche Technologie-Beteiligungen, die sich sehr gut entwickeln und über ein großes Potenzial verfügen.

Der Aktienkurs befindet sich aktuell 23 Prozent unter dem Allzeithoch.

Auch nach der Dividenden-Strategie schlägt sich die Sberbank tapfer. Besonders die hohe Dividendenrendite von über 5 Prozent überzeugt. Wie sicher die Dividende ist und welche Chancen und Risiken sich mit der Aktie ergeben, das soll mit der nachfolgenden Aktienanalyse herausgearbeitet werden.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Sberbank ist Russlands größte Bank
  • Großes Technologieportfolio der Bank verspricht Wachstumspotenzial
  • Die Bewertung der Aktie ist attraktiv und eine hohe Dividendenrendite lockt
  • Nicht zu unterschätzen bleiben die Risiken der Russland-Aktie

Was macht die Sberbank? Russische Großbank mit Technologieportfolio

Die Sberbank ist Russlands größter Kreditgeber. Die Großbank besitzt in Russland einen Marktanteil von 32 Prozent bei Unternehmenskrediten. Bei Privatkunden beläuft sich der Anteil sogar auf 43 Prozent und bei Spareinlagen kommt die Bank auf einen Marktanteil von 45 Prozent.

Gemessen an der Bilanzsumme von umgerechnet rund 470 Milliarden Euro handelt es sich auch global gesehen um einen großen Player im Bankengeschäft. Allein in Europa, dem Nahen Osten und Afrika gibt es gemessen am Geschäftsvolumen keine größere Bank.

Quelle: Sberbank Aktie Bilanz

Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf rund 73 Milliarden Euro. Lediglich US-Großbanken wie JP Morgan Chase, Wells Fargo oder Bank of America sowie einige führende Banken aus China, Kanada, Indien, Australien und Europa besitzen eine höhere Marktkapitalisierung:

Quelle: Dividenden-Topscorer Finanzen

Die Sberbank ist dabei fast ausschließlich in Russland tätig. Zuletzt wurden Assets im Wert von 7,3 Milliarden der Sberbank Europe Group veräußert. Das Tochterunternehmen wurde im Jahr 2012 nach einer Übernahme der österreichischen Volksbank International AG aufgebaut und soll von Wien aus den osteuropäischen Markt bearbeiten. Das Geschäft außerhalb Russland spielt für die Sberbank aus heutiger Sicht nur eine untergeordnete Rolle.

Viele Technologie-Beteiligungen im Bankkonzern als Werttreiber

Viel wichtiger für die Sberbank sind mittlerweile die zahlreichen Technologie-Beteiligungen geworden, die die Bank in den letzten Jahren zu gekauft und aufgebaut hat. Damit lässt sie ihr angestaubtes Image einer "russischen Sparkasse" hinter sich und entwickelt sich zu einem großen nationalen Technologie-Player mit eigenem digitalen Ökosystem.

Dieses bezieht sich nicht nur auf Bankprodukte und -dienstleistungen. Vielmehr lassen sich immer mehr Geschäftsmodelle abseits des Bankensektors finden – zum Beispiel E-Commerce, Lieferservices oder Streaming-Angebote.

Quelle: Investor Präsentation Sberbank, November 2021.

Grundlage für den Geschäftserfolg bietet die eigene Nutzerbasis der Großbank. Schließlich hat fast jeder zweite Russe ein Konto bei der Großbank und die Kunden vertrauen der Sberbank.


Online- und Mobile-Banking

Auch im Bereich des Online- und Mobile-Bankings kann die Sberbank als ein Vorbild für viele andere Banken weltweit gesehen werden. Bereits heute nutzen 71 Millionen Nutzer monatlich die eigene Banking App. Auf täglicher Basis (DAU) beläuft sich die Zahl der Nutzer auf rund 36 Millionen.


Quelle: Investor Präsentation Sberbank, November 2021.

Das Ziel der Sberbank ist es, nicht nur den Weg zu einer digitalen Bank zu ebenen, sondern ein ganzes Ökosystem aufzubauen, in dem alles miteinander vernetzt ist.

Rückgrat der digitalen Transformation bleibt das hochprofitable Bankengeschäft. Dieses gilt zwar grundsätzlich als zyklisch, konnte sich aber in den letzten Jahren durch eine gewisse Resilienz auszeichnen.

Quelle: Investor Präsentation Sberbank Dezember 2021.


Russischer Staat ist Mehrheitseigner

Interessant wird es bei der Eigentümerstruktur Russlands führender Bank. Hier besitzt der russische Staat 50 Prozent plus eine Aktie. Rund 44 Prozent der Anteile liegen bei internationalen Anlegern.


Die letzten Quartalszahlen und der Ausblick der Sberbank

Die letzten Quartalszahlen überzeugen: So wurde ein Rekordergebnis von 978 Milliarden Rubel für die ersten neun Monate 2021 ausgewiesen. Die Eigenkapitalrendite lag mit 26,8 Prozent im dritten Quartal 2021 deutlich über dem Wert des Vorjahres von 22,7 Prozent. Das gesamte Kreditportfolio konnte zudem um 1,5 Prozent erhöht werden.

Haupttreiber der guten Geschäftsentwicklung war das Bankengeschäft, in dem nach wie vor die großen Gewinne gemacht werden. Fast 1.500 Milliarden Rubel wurden operativ in den ersten neun Monaten verdient. Gut entwickelte sich auch das Geschäft mit der Zahlungsabwicklung. Das operative Ergebnis erreichte hier einen Wert von 284 Milliarden Rubel – ein Plus von 21,4 Prozent.

Die stärksten Zuwächse kamen jedoch aus dem Non-Financial-Bereich. Hier konnte der Umsatz allein im dritten Quartal um das 2,6-fache auf 47,6 Milliarden Rubel gesteigert werden. Das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Volume, GMV) des E-Commerce-Geschäfts verzehnfachte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 28,1 Milliarden Rubel. Trotz starken Wachstums im Bereich Non-Financial bleiben die Erträge noch gering.

Es wurde ein Verlust beim EBITDA von fast 10 Milliarden Rubel im dritten Quartal ausgewiesen. Für die ersten neun Monate beläuft sich das Minus auf 25 Milliarden Rubel.

Quelle: Investor Präsentation Sberbank, November 2021.

Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2021 fällt weiter positiv aus. Erwartet wird eine Eigenkapitalrendite von 23 Prozent. Die Nettozinsmarge, also die Differenz zwischen den erhaltenen und gezahlten Zinsen, soll im Durchschnitt über 5,25 Prozent liegen. Zweistellig zulegen sollten nach Ansichten des Managements die Provisionen und Kommissionen.


Ausblick auf 2022

Spannend wird es bei dem Wachstumstreiber, dem Non-Financial-Bereich. Hier wird vom Management ein durchschnittliches Wachstum von mehr als 100 Prozent jährlich für die Jahresspanne von 2020 bis 2023 prognostiziert.

Der E-Commerce GMV soll sich im kommenden Jahr 2022 verdoppeln, während die Eigenkapitalrendite der Sberbank weiterhin über der 20-Prozent-Marke liegen soll. Trotz starkem Wachstum im Non-Financial-Bereich und solidem Ausblick für das Bankgeschäft sollten vorerst aber keine großen Ergebnissprünge erwartet werden.


Quelle: Sberbank Aktie Levermann-Analyse

Analysten schätzen das durchschnittliche Gewinnwachstum lediglich auf 2,5 Prozent.


Sberbank Aktie Dividende - Wichtige Kennzahlen nach der Dividenden-Strategie

Die Sberbank überzeugt in der Dividenden-Analyse bei nahezu allen Kriterien. Lediglich bei der Kontinuität der Dividendenzahlungen gab es keine Punkte. Hier lässt sich feststellen, dass es in den letzten Jahren drei Dividendenkürzungen gab.

Quelle: Sberbank Aktie Dividenden-Analyse


Aktuelle Sberbank Dividendenrendite und 10-Jahres-Durchschnitt

Entschädigen tut die aktuelle Dividendenrendite von über 6 Prozent. Der Wert liegt deutlich über der durchschnittlichen Dividendenrendite der letzten zehn Jahre von 4,2 Prozent.


Wie viel Dividende zahlt Sberbank of Russia?

Die Sberbank Aktie hat in 2021 eine Dividende von 0,84 Euro gezahlt. Die nachfolgende Grafik zeigt alle Dividendenzahlungen der letzten 10 Jahre:

Quelle: Sberbank Dividenden

Ebenfalls überzeugt die hohe Ausschüttungsquote der letzten drei Jahre von fast 44 Prozent. Besonders beeindruckend ist das starke durchschnittliche Wachstum der Dividende in den letzten fünf Jahren. Hier kann die Sberbank Aktie auf einen Zuwachs von über 50 Prozent jährlich zurückblicken. Das hohe Wachstum ist jedoch auf eine sehr geringe Ausgangsbasis in den Jahren 2015 und 2016 zurückzuführen. In den letzten drei Jahren wurde die Dividende nicht mehr so stark erhöht.


Wie sicher ist die Dividende der Sberbank Aktie?

Mit einer Ausschüttungsquote von weniger als 50 Prozent liegt augenscheinlich eine solide Quote vor. Anzumerken ist jedoch das zyklische Bankengeschäft, welches direkt mit der russischen Konjunktur in Verbindung steht. Ändert sich etwas an den makroökonomischen Rahmenbedingungen, so sollte dies auch starke Auswirkungen auf die Dividenden der Sberbank haben. Mit Blick auf die Dividenden der letzten zehn Jahre lassen sich bei der Sberbank Aktie starke Schwankungen bei den Dividenden feststellen.


Wann zahlt die Sberbank Dividende?

Die Sberbank Aktie zahlt jährliche eine Dividende. Die letzte Dividende wurde am 26. Mai 2021 in Höhe von 0,84 Euro je Aktie gezahlt. Der nächste Ex-Dividenden-Tag ist noch nicht festgelegt.


Bewertung der Sberbank Aktie

Gemessen an der Ertragskennzahl KGV, welche den aktuellen Kurs in Relation zu den Gewinnen je Aktie setzt, ist die Sberbank als günstig einzustufen. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis beläuft sich nur auf 5.

Die objektiv günstige Bewertung könnte aber maßgeblich mit einem Risikoaufschlag für den Emerging-Market-Wert begründet werden. Viele russische Aktien werden – aufgrund des politischen Risikos – nur mit einem einstelligen KGV gehandelt. Auch wirkt sich eine mehr oder weniger stetige Abwertung des russischen Rubels über die Jahre belastend aus.

Quelle: Sberbank Aktie Bewertung

Bei einer Bank lohnt sich der Blick auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Hier ist Sberbank mit einem KBV von 1,2 schon als teuer anzusehen. Andere Banken werden teilweise mit einem Abschlag auf den Buchwert gehandelt. So beläuft sich das KBV bei der Deutschen Bank Aktie lediglich auf 0,4. Die JP Morgan Chase Aktie kommt auf einen Wert von 1,9. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis drückt aus, wie werthaltig Investoren das Kreditportfolio der Bank bewerten. Erwarten sie Abschreibungen, so wird das KBV tendenziell niedriger ausfallen.


Fazit zur Sberbank Aktie

Das Fazit zur Sberbank fällt gemischt aus. Einerseits überzeugt die starke Position im großen russischen Bankensektor. Diese ist durch das politische Regime stark geschützt. Schließlich wird eine amerikanische Großbank wahrscheinlich nie in Russland große Geschäfte machen.

Ähnlich überzeugt auch das stark wachsende Non-Financial-Business. Hier besitzt die Sberbank nicht nur die notwendigen Voraussetzungen, um als Inkubator aus kleinen Startups große Milliardenkonzerne zu machen. Viel mehr tätigt man gezielt Käufe, um ein eigenes Ökosystem aufzubauen. Aus heutiger Sicht produziert die Sberbank in diesem Segment noch Verluste.

Beeindruckend ist auch, dass die Sberbank an vielen Fronten kämpft. Es ist also keine Wette auf eine einzelne Technologie in einem Teilmarkt, sondern es laufen viele Wetten in verschiedenen Märkten. Der Fokus beschränkt sich natürlich vorerst nur auf Russland. In diesem regionalen Markt finden amerikanische Großkonzerne – ähnlich wie in China – keine guten Voraussetzungen vor.

Negativ belastet die Tatsache, dass die Sberbank von dem russischen Staat kontrolliert wird. Sie könnte damit ein Spielball im Machtpoker des Kremls sein. Besonders prekär erscheint die Lage an der ukrainischen Grenze.

Sollte der dort vorherrschende Grenzkonflikt weiter an Dynamik gewinnen, dann könnten scharfe Sanktionen gegen Russland drohen. Ein Ausschluss aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT könnte die russische Wirtschaft und damit auch die führende Bank in Russland treffen.

Belastend ist auch die Tatsache, dass der russische Rubel über die letzten 20 Jahre mehr oder weniger stetig abgewertet hat. Für europäische Investoren bedeutet dies, dass selbst ein steigender Aktienkurs von Währungsverlusten aufgezehrt werden könnte.

Russische Aktien besitzen nach wie vor ein erhöhtes Risiko. Kompensiert wird dieses mit der günstigen Bewertung. Gemessen an dem Kurs-Gewinn-Verhältnis sowie der hohen Dividendenrendite handelt es sich um attraktive Werte.

Besonders sollte man das Technologieportfolio im Blick behalten. Langfristig gesehen könnte dieses in der Sberbank zu einer ähnlichen Größe heranwachsen, wie das eigene Bankgeschäft. Für Investoren stellt sich die Frage, was und wie mit diesen Werten umgegangen werden soll. Hierauf könnte am Ende nur der Kreml eine Antwort geben.


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Der Autor und/oder mit dem aktien.guide verbundene Personen oder Unternehmen besitzen oder können Anteile der Sberbank besitzen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.



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Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.