VMware wandelt sich zur SaaS-Aktie

17.2.2021 | Frank Seehawer

VMware Aktie - Rechenzentrum

Software-as-a-Service (SaaS) Aktien gehören die Zukunft. Zu einem solchen Schluss kann man kommen, wenn man sich die Wachstumsraten von SaaS-Unternehmen wie ServiceNow oder Salesforce anschaut. Hier kann man durchweg hohe zweistellige Wachstumsraten erkennen, während das Geschäft mit dem Verkauf von Softwarelizenzen oftmals nur noch geringe Zuwächse oder sogar Absatzrückgänge verzeichnet. Etablierte Softwareanbieter sehen sich mit einem drastischen Wandel des Geschäftsmodells konfrontiert, der jedoch auch große Chance bieten kann.

Zu solchen Technologieunternehmen im Wandel gehört auch die VMware Aktie (ISIN: US9285634021), dessen Softwareprodukte und Services sich auf die Virtualisierung von Rechenzentren spezialisieren. Auch wenn das klassische Geschäft mit Lizenzverkäufen zuletzt rückläufig war, so wurden exorbitant hohe Zuwächse im Bereich Subscription und SaaS erzielt.

Besonders überzeugend an der VMware Aktie ist jedoch die attraktive Bewertung sowie das profitable Wachstum, welches mit einem hohen Score der Rule-of-40 belegt wird. In der HGI-Analyse erhält die Aktie elf Punkte und ist damit ein aktueller Topscorer. Ob die Aktie auch wirklich ein Top-Investment ist, das möchten wir mit der nachfolgenden Analyse prüfen.


Unternehmensprofil – Software und Services für virtuelle Rechenzentren

VMware ist ein Anbieter von Cloud-Computing-Lösungen und beschäftigt sich mit der Virtualisierung von Rechenzentrumsinfrastrukturen.

Kerngeschäft des Unternehmens ist es, mittels Software die Eigenschaften eines Computersystems virtuell abzubilden. Die Vorteile liegen in einer besseren Auslastung der Serversysteme sowie in einer insgesamt leistungsstärkeren IT-Infrastruktur. In einer immer komplexer werdenden IT-Welt trifft dieses Thema auf offene Ohren.

Das Wachstum des Unternehmens vollzog sich nicht ausschließlich organisch, sondern wurde durch zahlreiche Übernahmen in den vergangenen Jahren zusätzlich befeuert. So wurden seit dem Jahr 2008 gut 50 Unternehmen übernommen. Die Übernahmen führten schließlich auch zu einem Anschwellen des Goodwills auf 9,6 Milliarden US-Dollar. Der Wert ist mittlerweile größer als das bilanzierte Eigenkapital von 8,5 Milliarden US-Dollar und spricht nicht gerade für eine konservative Bilanzierung.


Etwas zur Konzerngeschichte von VMware

VMware wurde im Jahr 1998 gegründet und nur wenige Jahre später, im Jahr 2004, von der EMC Corporation übernommen. Im August 2007 wurde schließlich ein Teil der VMware-Aktien von der EMC Corporation wieder an die Börse gebracht. Ende des Jahres 2016 übernahm Dell Technologies wiederum die EMC Corporation und wurde so automatisch zu einem Mehrheitseigner von VMware. Der Dell-Anteil an VMware belief sich im Geschäftsjahr 2020 noch auf 80,9 Prozent.

Es gab viele Spekulationen darüber, was mit dem großen Aktienpaket passieren soll. Zuletzt wurde immer deutlicher, dass die Software-Tochter VMware von der mittlerweile wieder börsennotierten Dell abgespalten werden könnte. Diese Aktion würde dem ohnehin mit Schulden geplagten Hardwarehersteller große Summen in die Unternehmenskassen spülen. Denkbar wäre auch, dass Dell die restlichen Anteile übernimmt und weitere Zukäufe tätigt. Hierzu bräuchte Dell jedoch weitere Finanzinvestoren, denn mit seiner hohen Verschuldung und dem schwachen Wachstum lassen sich Übernahmen nur schwer stemmen. Daher wäre die erste Option wohl die realistische.


Die Geschäftsfelder von VMware

VMware gruppiert seine Erlöse in die Bereiche Lizenzen, Subscription und SaaS sowie Services. Etwas mehr als die Hälfte der Umsätze aus dem Geschäftsjahr 2020 von 10,8 Milliarden US-Dollar wurde im Service-Segment eingenommen. Diese konnten mit 9,2 Prozent auch relativ gut gesteigert werden. Das Lizenzgeschäft stellte die zweitgrößte Einnahmequelle mit Umsatzerlösen von 3,2 Milliarden US-Dollar dar. Sie erhöhten sich um 4,6 Prozent. Deutlich schneller wuchs jedoch das kleinste Geschäftsfeld (Subscription und SaaS). Hier konnten die Umsatzerlöse von 1,3 auf 1,9 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, was einem Wachstum von 44,1 Prozent entsprach.

Zusammengefasst konnte VMware das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatzanstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr abschließen. Das operative Ergebnis belief sich auf 1,5 Milliarden US-Dollar und lag um 20,1 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Das Nettoergebnis konnte jedoch aufgrund von Steuerrückerstattungen von 1,6 auf 6,4 Milliarden US-Dollar gesteigert werden.


Die letzten Quartalszahlen und der Ausblick

Die letzten Quartalsergebnisse vom dritten Quartal 2021, welches am 30. Oktober 2020 endete, zeigte gegenüber dem Geschäftsjahr 2020 ein abgeschwächtes Wachstum. Die Umsatzerlöse konnten nur um 8 Prozent gesteigert werden. Positiv war aber, dass das wachstumsstarke Geschäftsfeld Subscription and SaaS mit 44 Prozent weiter stark zulegen und damit das Wachstumstempo beibehalten konnte. Einzig das Lizenzgeschäft musste einen Umsatzrückgang von rund 6 Prozent hinnehmen.

Das operative Ergebnis konnte auf 1,4 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, was einem Ergebniswachstum von 15,9 Prozent entsprach. Insgesamt fielen die Ergebnisse aus Sicht des Managements jedoch besser aus als erwartet. Es folgte eine Erhöhung des Ausblicks auf das Gesamtjahr 2021. Erwartet werden nun vom Management Umsatzerlöse von 11,7 Milliarden US-Dollar sowie ein Ergebnis je Aktie zwischen 4,17 und 4,27 US-Dollar. Der Umsatz würde damit um 8,2 Prozent hoher erwartet.

VMware - Gewinnwachstum

Analysten erwarten für das folgende Geschäftsjahr 2022 wieder ein Ergebnis je Aktie von 3,67 US-Dollar. Das erwartete Gewinnwachstum beläuft sich damit auf -11,6 Prozent.


Aktienkursentwicklung und wichtige Kennzahlen der VMware

Eine besonders wichtige Kennzahl aus der High-Growth-Investing-Analyse kann man mit der Bewertungskennzahl EV/Sales hervorheben. Sie setzt den Enterprise Value, also den Unternehmenswert inklusive Schulden, in Relation zu den Gesamtumsätzen. Das Ergebnis entspricht einem Wert von 5,5 und kann gemäß den Kriterien der Strategie als günstig ausgelegt werden.

VMware Aktie - Aktienkurs 5 Jahre


Weiter überzeugt VMware mit einer hohen Profitabilität. Gemessen an der Gross Margin, welche den Rohertrag in Relation zum Umsatz setzt, ergibt sich hier ein Wert von über 80 Prozent.

Die dritte und letzte überzeugende Kennzahl ist die der Rule-of-40. Sie berechnet sich aus der Summe der Umsatzwachstumsrate und der Free-Cashflow-Marge. Je höher das Ergebnis ist, desto größer ist die Effizienz des Wachstums. Bei VMware erreicht die Kennzahl einen Wert von über 50 Prozent, was als sehr gut interpretiert werden kann.

VMware Aktie - HGI-Kennzahlen


Nicht perfekt, aber dennoch überzeugend, ist die finanzielle Situation des Unternehmens. Diese lässt sich an dem Verschuldungsgrad von 0,71 ablesen. Auch der Blick in die letzte Bilanz mit Cash-Beständen von fast vier Milliarden US-Dollar bestätigt diesen Eindruck. Ihnen standen jedoch langfristige Finanzschulden in Höhe von 4,7 Milliarden US-Dollar gegenüber. Ein Risiko bleibt der hohe Goodwill.

Schaut man einen Schritt weiter, so könnten sich die Werte aus der HGI-Analyse in den nächsten Quartalen verschlechtern, sofern das Wachstum wie erwartet fällt. Sollte dies passieren, so könnte der Score der Rule-of-40 deutlich sinken, was am Ende dazu führen könnte, dass die Aktie aus der Top-Scorer Liste verschwindet.


Bewertung der VMware Aktie

Aktuell generiert VMware einen Free Cashflow (TTM) von 3,86 Milliarden US-Dollar. Gemessen an dem aktuellen Enterprise Value von 63 Milliarden US-Dollar ist dies eine stattliche Summe und würde einem Multiplikator von 16,4 entsprechen. Selbst für ein relativ schwaches Wachstum von 8 Prozent ist dieser Wert durchaus akzeptabel.

Einzig das rückläufig erwartete Ergebniswachstum könnte ein Warnzeichen sein. Derzeit gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass es sich um eine anhaltende Schwäche der Profitabilität handelt.


Fazit zur VMware Aktie

VMware ist ein altbekanntes Unternehmen an der Börse und überzeugte mit einem soliden Wachstum in der Vergangenheit. Auch sollte das Unternehmen mit seiner Software im SaaS-Zeitalter über gute Zukunftsperspektiven verfügen. Unklar ist, inwieweit das Unternehmen derzeit Marktanteile gegen jüngere Wettbewerber wie Nutanix verliert.

Die relativ schwachen Wachstumsraten auf Konzernebene sind für den eigenen Anspruch als Wachstumsunternehmen weniger überzeugend. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich überlegt, dass das Wachstum regelmäßig mit Übernahmen angefeuert wurde.

Im Gegenzug überzeugt die Bewertung der VMware Aktie umso mehr. Sie ist deutlich günstiger als bei vielen gehypten Start-ups. Obendrauf gibt es noch starke Free Cashflows. Kurzum könnte die VMware Aktie gegenüber solchen Unternehmen eine höhere Sicherheit bieten.

Interessant könnte es jedoch werden, wenn der dominierende Großaktionär Dell aus dem Unternehmen verschwindet. Dann stünden VMware nämlich neue strategische Perspektiven offen.

Zusammengefasst überzeugt VMware mit einer günstigen Bewertung sowie einer starken Profitabilität. Aufgrund des zuletzt schwachen Wachstums für ein Technologieunternehmen sowie der zahlreichen Akquisitionen, die das Wachstum zusätzlich angeheizt haben, ist das Unternehmen jedoch kein Ideal-Kandidat für einen Kauf gemäß der HGI-Strategie.


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Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.