L’Oréal Aktie: Unangefochten im Beauty-Markt

23.03.2021 | Frank Seehawer

L'Oréal Aktie

Menschen wollen schön sein und sich auch gut fühlen. Das ist ein Sachverhalt, der schon seit Jahrhunderten gilt und besonders in einer Phase des zunehmenden Wohlstands wichtiger wird. Interessant dabei ist, dass selbst in einer so heftigen Krise wie der Corona-Pandemie dieser Grundsatz weiter gilt.

Ein Unternehmen, dass sich auf die Produktion von Kosmetikprodukten fokussiert und hier über das letzte Jahrhundert zu dem dominierenden Marktführer aufgestiegen ist, möchten wir mit der L'Oréal Aktie (ISIN: FR0000120321) einmal genauer vorstellen.

Der französische Beauty-Konzern und zeichnet sich durch eine äußerst gute bilanzielle Situation sowie einem soliden langfristigen Wachstum aus. Das Corona-Jahr 2020 sorgte für eine Wachstumsdelle. Diese sollte jedoch im laufenden Jahr wieder ausgebügelt sein. Erwartet werden zumindest neue Rekordwerte. Auch in der Levermann-Analyse schneidet die L'Oréal Aktie mit einem Kaufen-Urteil entsprechend gut ab. Ob die Aktie trotz ihrer hohen Bewertung noch ein Kauf sein kann, das möchten wir mit der nachfolgenden Analyse prüfen.


Unternehmensprofil – der führende Hersteller von Kosmetikprodukten

L'Oréal ist der weltweit führende Kosmetikhersteller mit einem Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2020 von knapp 28 Milliarden Euro. Der französische Konzern besitzt 36 Marken und hat sich besonders mit hochpreisigen Produkten sowie in der Luxuskosmetik einen Namen gemacht. Dabei kann das Unternehmen bereits auf eine lange Firmengeschichte zurückblicken. Gegründet wurde es nämlich im Jahr 1909 von dem Chemiker Eugène Schueller, der mit Haarfärbetinturen experimentierte.

Schnell erweiterte das neu gegründete Unternehmen seine Produktpalette um eine Vielzahl weiterer Schönheitsprodukte, die im späteren Verlauf den Geschäftserfolg brachten. Die Innovations-DNA der Anfangsjahre ist dem Unternehmen bis heute geblieben, denn dem Unternehmen lassen sich aktuell rund 500 registrierte Patente zuordnen.

Trotz der starken Forschungs- und Entwicklungsarbeit übernahm L’Oréal im Laufe des letzten Jahrhunderts auch ein paar Unternehmen. Hierzu gehörten beispielsweise das Unternehmen Garnier oder die Handelskette für Kosmetikprodukte The Body Shop. Letztere gehört mittlerweile nicht mehr zum Konzern. Trotz der Übernahmen wurden die Verschuldung sowie der Goodwill auf einem tragfähigen Maß gehalten.

Das Geschäftsjahr 2020 schloss L'Oréal mit einem Gesamtumsatz von 27,9 Milliarden Euro ab. Der Wert lag um 6,3 Prozent unter dem des Vorjahres. Ähnlich sah es bei dem operativen Ergebnis aus, welches mit 5,2 Milliarden Euro um 6,1 Prozent ähnlich rückläufig war. Die operative Marge lag mit 18,6 Prozent jedoch auf einem identischen Niveau wie im Jahr 2019.

Führt man sich angesichts der Schwere der Corona-Krise vor Augen, dass der Konzern viele seiner Produkte in stationären Läden verkauft sowie auch ein großer Partner von Friseurbetrieben ist, so kann man die abgelieferten Zahlen durchaus als respektabel werten.

Dass sich in einer solchen Jahrhundertkrise die Umsätze so robust entwickelt haben, ist auch auf das zuletzt starke Online-Geschäft der Franzosen zurückzuführen. So wurden die Verkaufsaktivitäten über die eigenen Online-Channels im Geschäftsjahr 2020 deutlich ausgeweitet. In Summe erhöhten sich die E-Commerce Umsätze um rund 62 Prozent . Mittlerweile entsprechen sie rund 27 Prozent der Gesamtumsätze.


Die letzten Quartalszahlen und der Ausblick

Das vierte Quartal 2020 zeigte eine deutliche Tendenz zur Normalität. Der Gesamtumsatz lag mit 7,9 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Organisch (bei konstanter Währung und ohne Unternehmenskäufe und -verkäufe) erhöhte er sich jedoch um 4,8 Prozent. Einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung war auf den Verkauf in Schwellenländern zurückzuführen. Hier konnte der Umsatz durchweg zweistellig zulegen. Rückläufig war hingegen das Geschäft in Westeuropa. In Amerika blieb es konstant.

Auf Produktebene entwickelte sich das Segment Active Cosmetics besonders erfreulich. Hier konnten die Umsatzerlöse um über 20 Prozent auf 772 Millionen Euro gesteigert werden. Es ist zwar derzeit noch das kleinste Segment, verspricht jedoch ein gewisses Zukunftspotential. Dieser Bereich beschäftigt sich nämlich mit Themen der Derma-Kosmetik. Konkret geht es dabei um hochwirksame Produkte, die aus dem Zusammenspiel der medizinischen und kosmetischen Forschung entstanden sind.

Beim Ausblick auf das Gesamtjahr bleibt der Vorstand den Investoren eine konkrete Prognose schuldig. Gemäß Daten von S&P Global Market Intelligence rechnen Analysten jedoch mit steigenden Umsätzen. Für das Geschäftsjahr 2021 werden im Mittelwert Umsatzerlöse in Höhe von 30,3 Milliarden Euro erwartet. Im Folgejahr 2022 rechnen Analysten mit einem Wert von 32,6 Milliarden Euro. Zusammengefasst würde dies fr das laufende Jahr einen Umsatzanstieg von 8,6 Prozent bedeuten, der im Folgejahr mit 7,6 Prozent ähnlich stark ausfallen könnte.

Auch das Ergebnis je Aktie soll wieder zulegen. Für das Geschäftsjahr 2021 wird – gemäß den Daten des aktien.guide – von Analysten ein Wert von 7,83 Euro geschätzt. Im Vergleich zu dem Ergebnis je Aktie von 7,30 Euro aus dem Geschäftsjahr 2020 würde dies einem Ergebniswachstum von 7,3 Prozent entsprechen. Etwas schneller könnte das EPS im Folgejahr 2022 wachsen. Dann sehen Analysten nämlich ein Ergebnis je Aktie von 8,67 Euro als realistisch an. Sollte dieser Wert tatsächlich erreicht werden, so würde sich das Ergebniswachstum auf 10,7 Prozent beschleunigen.Aktienkursentwicklung der L'Oréal Aktie


Aktienkursentwicklung und wichtige Kennzahlen der L'Oréal Aktie

Wichtige fundamentale Kennzahlen aus der Levermann-Analyse können mit der EBIT-Marge (18,6 Prozent) sowie die Eigenkapitalquote (66,5 Prozent) ermittelt werden. Für beide Werte gab es gemäß der Strategiedefinition jeweils einen Punkt. Besonders hervorzuheben ist der Wert der Eigenkapitalquote, denn er ist groß genug für die Aufnahme auf der Liste der Aktien mit überdurchschnittlicher Eigenkapitalquote der Levermann-Strategie. Weiter fällt der französische Kosmetikhersteller durch seine stetigen Dividendenerhöhungen auf. Leider musste im letzten Jahr aufgrund der Corona-Krise die Dividende auf dem Niveau des Vorjahres von 3,85 Euro belassen werden. Auch wurde das laufende Aktienrückkaufprogramm im Wert von 750 Millionen Euro zurückgerufen.

Aktienkursentwicklung - L'Oréal Aktie

Im laufenden Jahr 2021 soll die Dividende jedoch wieder steigen. Geplant ist, eine Dividende in Höhe von 4,00 Euro für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2020 an die Aktionäre auszuschütten. Der Wert würde ein Dividendenwachstum von 3,9 Prozent bedeuten und – gemessen an dem aktuellen Aktienkurs von 320 Euro – einer Dividendenrendite von 1,25 Prozent entsprechen.

Dividendenhistorie 10 Jahre - L'Oréal Aktie

Positiv ist auch die relativ gute bilanzielle Situation von L'Oréal zu werten. Es lassen sich nämlich so gut wie keine langfristigen Finanzverbindlichkeiten ausfindig machen. Gleichzeitig existieren jedoch Zahlungsmittel im Wert von 6,4 Milliarden Euro. Und auch der Goodwill ist mit einem Wert von 10,5 Milliarden Euro überschaubar im Vergleich zum bilanzierten Eigenkapital von knapp 29 Milliarden Euro.


Bewertung der L'Oréal Aktie

Trotz aller bisher positiven Erkenntnisse über das Unternehmen gibt es in der Levermann-Analyse Punktabzüge für die Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 41 ist das Unternehmen nämlich selbst für ein erwartetes zweistelliges Ergebniswachstum alles andere als günstig bewertet.Da das Unternehmen jedoch nicht verschuldet ist und sogar auf nennenswerten Cash-Beständen sitzt, lohnt sich der Blick auf die fundamentalen Kennzahlen. Hier kann man erkennen, dass L'Oréal mit einem Enterprise Value von 175,5 Milliarden Euro bewertet ist. Bezieht man nun den Free Cashflow der letzten zwölf Monate von 5,5 Milliarden Euro auf diesen Wert, so lässt sich ein Multiplikator von 32 ausrechnen. Der Wert ist zwar deutlich geringer als das zuvor genannte KGV, er ist dennoch als sehr hoch einzustufen.

KGV aktuell - L'Oréal Aktie


Fazit zur L'Oréal Aktie

Als Marktführer der Kosmetikindustrie ist L'Oréal ein globales Schwergewicht. Das merkt man auch an der aktuellen Marktkapitalisierung von fast 180 Milliarden Euro. Der nächst größere Wettbewerber ist Estée Lauder mit einer Marktkapitalisierung von knapp über 100 Milliarden US-Dollar.

Ein möglicher Grund dieser fantastischen Firmengeschichte kann vielleicht auf die einzigartige Firmen-DNA zurückzuführen sein. Das Unternehmen ist auf Innovationen fokussiert und versucht Produkte mit Mehrwert für Kunden zu entwickeln. Auch scheinen die Themen Beauty und Well-Being Zukunftsthemen zu sein, was dem Wachstumskurs einen deutlichen Rückenwind verleiht.

Die Corona-Pandemie sorgte abschließend betrachtet nur für eine kleine Wachstumsdelle im Geschäftsjahr 2020. Diese sollte – geht es nach Analysten – im laufenden Geschäftsjahr wieder wettgemacht werden. Erwartet werden neue Rekordumsätze, die dann in einem hohen einstelligen Prozentbereich weiter wachsen sollten. Ähnliches gilt für das Ergebnis je Aktie, das im Geschäftsjahr 2022 sogar zweistellig zulegen könnte.

Damit lässt sich feststellen, dass L'Oréal auch dieses Mal wieder besser aus der Krise herauskommt als viele seiner Wettbewerber. L'Oréal wird selbst nicht müde dies in seiner letzten Präsentationen zu unterstreichen. Während der Beauty-Markt 8 Prozent verlor, fiel der Rückgang bei L'Oréal mit 4,1 Prozent nur halb so hoch aus. Ähnlich sah es im Geschäft mit professionellen Produkten aus, die in Kosmetiksalons eingesetzt werden. Hier verzeichnete der Gesamtmarkt einen Rückgang von 16 Prozent. Bei L'Oréal lag er jedoch nur bei 6,4 Prozent.

Mit einem Multiplikator von 32 auf den Free Cashflow sowie einem KGV von 41 ist L'Oréal sehr teuer, was die Aktie prinzipiell weniger attraktiv für einen Einstieg macht. Ein Blick auf die Bewertungszahlen der letzten Jahre zeigt jedoch, dass die Aktie historisch betrachtet immer schon sehr teuer war. Hier gilt das Motto "Qualität hat seinen Preis" mehr denn je.

Fakt ist aber auch, dass die Bewertung in den letzten Monaten seit dem Corona-Tief im März 2020 deutlich angestiegen ist. Dieser Sachverhalt untermauert die Einschätzung, dass konservative Investoren sich mit einem Engagement zurückhalten und auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt warten sollten.


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Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.