Intel Aktie: Mikroprozessoren mit Potential?

26.03.2020 | Frank Seehawer

Intel Aktie - Chip der zehnten Generation eingebaut in Mainboard

Die Halbleiterindustrie ist das Herzstück des Technologiesektors, da ohne Mikrochips kein Computer funktioniert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Sektor sich langfristig betrachtet ähnlich gut entwickelt hat wie der Technologiesektor insgesamt.

Mit der Intel Aktie (ISIN: US4581401001) möchten wir heute ein Urgestein der Branche vorstellen, das sich durch seine Weltmarktführerschaft bei PC-Mikroprozessoren auszeichnet und dabei auch noch außerordentlich profitabel ist.

Das geringe Wachstum des Prozessorherstellers kann als Schwäche ausgelegt werden. Es gibt aber einen Lichtblick im Geschäft mit Daten (Data-Centric). Die Wachstumsbereiche Cloud Computing, Autonomes Fahren sowie Künstliche Intelligenz möchte Intel mit seiner neuen Struktur aktiv mitgestalten und feiert hier bereits erste Erfolge. Ob diese aber einen Kauf der Intel Aktie rechtfertigen, das möchten wir nun genauer prüfen.


Die zwei strategischen Geschäftsfelder von Intel

Der Technologiekonzern Intel gehört mit einem Gesamtumsatz von 72 Milliarden US-Dollar und einer aktuellen Marktkapitalisierung von 233 Milliarden US-Dollar zu den führenden Halbleiterherstellern der Welt.

Kerngeschäft des in Santa Clara (Silicon Valley) ansässigen Unternehmens ist die Produktion von PC-Mikroprozessoren, bei dem das Unternehmen Weltmarktführer mit einem Anteil von rund 80 Prozent ist.

Die dem Dow Jones Index zugehörige Intel Aktie definiert ihr Geschäftsmodell über die zwei strategischen Geschäftseinheiten Data-Centric sowie PC-Centric.

In der Geschäftseinheit Data-Centric werden die datengetriebenen Wachstumsbereiche von Intel erfasst. Als Sub-Segmente werden hier die Daten-Center-Groups (DGC), Internet of Things (IOTG), das übernommene israelische Start-up Mobileye sowie die Non-Volatile Memory Solutions Group (NSG) und Programmable Solutions Group (PSG) subsumiert. Die Geschäftseinheit soll mit seinen Sub-Segmenten das langfristige Wachstum von Intel wieder anheizen.

Im Gesamtjahr 2019 belief sich der Umsatzzuwachs zwar noch auf 3 Prozent, im vierten Quartal 2019 konnte man aber eine dynamische Steigerung auf 15 Prozent feststellen. Das stärkste Wachstum wurde mit 31 Prozent im Mobileye-Segment (Autonomes Fahren) erzielt. Dieses war mit einem Umsatz von 240 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2019 allerdings auch das kleinste Sub-Segment.

Die Geschäftseinheit PC-Centric erfasst das klassische Geschäft mit Chips für Personal Computer. Es wird als Client Computing Group (CCG) definiert. Im Geschäftsjahr 2019 wurde hier ein Umsatz von 37,1 Milliarden US-Dollar erzielt, der gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert blieb. Im vierten Quartal 2019 wurde in diesem Segment ein Umsatz von zehn Milliarden US-Dollar erreicht, der sich gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um 2 Prozent erhöht hat. Das Segment kann als eine Cash-Cow angesehen werden, die zwar nur langsam wächst aber gute Profite erwirtschaftet. 15,2 Milliarden US-Dollar oder 69 Prozent des operativen Ergebnisses werden der Einheit zugeschrieben.


Highlights des Jahres 2019

Ein Blick in die GAAP-Geschäftszahlen des Jahres 2019 verrät, dass der Umsatz von 70,8 Milliarden US-Dollar um 2 Prozent auf 72 Milliarden US-Dollar gesteigert wurde. Das operative Ergebnis sank von 23,3 auf 22 Milliarden US-Dollar (-5 Prozent). Aufgrund von Aktienrückkäufen konnte das Ergebnis je Aktie am Ende jedoch um 5 Prozent gesteigert werden – von 4,48 auf 4,71 US-Dollar.

Auf Basis der bereinigten Werte, also Non-GAAP, ergaben sich leicht bessere Werte. So sank das operative Ergebnis nur um 3 Prozent – von 24,5 auf 23,8 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis je Aktie konnte um 6 Prozent auf 4,87 US-Dollar erhöht werden.


Ausblick auf das Jahr 2020

Beim Ausblick auf das Jahr 2020 bleibt Intel positiv gestimmt. Nach GAAP-Werten wird ein Umsatz für das Gesamtjahr 2020 von 73,5 Milliarden US-Dollar erwartet (+2,1 Prozent) bei einer operativen Marge von 31 Prozent. Im Geschäftsjahr 2019 belief sich diese auf 30,5 Prozent.

Non-GAAP wird ein Umsatz von ebenfalls 73,5 Milliarden US-Dollar erwartet bei einer operativen Marge von 33 Prozent. Der Free Cashflow soll sich auf 16,5 Milliarden US-Dollar belaufen.

Die letzte Guidance bezieht noch nicht die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie mit ein. Auch Intel wird hier, wie viele andere Konzerne, harte Einschnitte machen müssen. Gesprengte Lieferketten und Produktionsstopps werden wohl zu starken Absatz- und Ergebnisrückgängen im Jahr 2020 führen.


Kursentwicklung der Intel Aktie

Intel Aktie - Entwicklung des Aktienkurses

Grafik zeigt: Entwicklung der Intel Aktie an der NASDAQ; Stand: 13.3.2020; Quelle: Wallstreet-Online.

Als besonders gute Finanzkennzahl kann man die EBIT-Marge hervorheben, die zuletzt einen Wert von 31,2 Prozent erreicht hat. Auch die Eigenkapitalquote wirkt mit aktuell 56,8 Prozent solide. Hier muss erwähnt werden, das Intel zum Geschäftsjahresende 2019 Cashbestände inklusive Investments in Höhe von 13,1 Milliarden US-Dollar in der Bilanz stehen hatte. Dem standen Schulden (Debt) im Wert von 25,3 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Der Goodwill in Höhe von 26,3 Milliarden US-Dollar ist ebenfalls ein bedeutender Posten in der Bilanz von Intel, der aus vergangenen Übernahmen (u.a. Mobileye) entstanden ist. Gemessen am Eigenkapital von 77,5 Milliarden US-Dollar erscheint der Goodwill jedoch tragbar, besonders wenn man den jährlichen Brutto-Cashflow von über 33 Milliarden US-Dollar einbezieht.

Auch die Eigenkapitalrendite von 27,2 Prozent ist in Anbetracht der hohen Eigenkapitalquote als gut zu klassifizieren.

Intel investieren - Entwicklung der EBIT Marge von Intel


Bewertung der Intel Aktie

Aus Sicht des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) wirkt die Intel-Aktie mit einem KGV von aktuell 11 als günstig bewertet. Schaut man jedoch auf das schwache erwartete Gewinnwachstum von zuletzt 0,61 Prozent, so könnte die Bewertung bestenfalls als fair angesehen werden.

Erwartet man einen wirtschaftlichen Abschwung, so wäre die Aktie eventuell teuer, da Halbleiter-Aktien konjunktursensibel und zyklisch sind. Mit der aktuellen Corona-Pandemie wird ein solcher Abschwung aller Voraussicht nach im Jahr 2020 eintreten. Wie hart Intel davon betroffen sein wird, werden wir in den nächsten Monaten sehen. Es ist aber davon auszugehen, dass Intel seine bisher getätigten Gewinnprognosen deutlich verfehlen wird.

Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung von 213 Milliarden US-Dollar würde sich bei einem von Intel für das Jahr 2020 prognostizierten Free Cashflow von 16,5 Milliarden US-Dollar ein Multiplikator von 12,9 errechnen. Dieser liegt über dem Wert des KGVs – was nicht verwunderlich ist, denn der Gewinn lag zuletzt signifikant über dem Free Cashflow.

Im historischen Kontext ist die Intel-Aktie am unteren Ende der Bewertungsspanne einzuordnen. Vor gut zwei Jahren wurde noch ein KGV von fast 15 gezahlt, im Tief nur das 10-fache. Auch kann man eine leichte Korrelation zwischen dem erwarteten Gewinnwachstum und dem KGV erkennen. Schwächt sich das Wachstum ab, so sinkt auch das KGV und umgekehrt.

Entwicklung des KGV der Intel Aktie


Analyse der Intel Aktie - Fazit

Optisch gesehen wirkt die Intel Aktie günstig, keine Frage. Wer eine Aktie mit einem geringen KGV, einer mäßigen Dividendenrendite und moderatem Gewinnwachstum sucht, der könnte mit Intel gut bedient sein.

Man muss aber bedenken, dass Intel den Großteil des Gewinnwachstums durch Aktienrückkäufe erzeugt. So wurden im Gesamtjahr 2019 von den 33,1 Milliarden US-Dollar des operativen Cashflows 13,6 Milliarden US-Dollar in Aktienrückkäufe investiert.

Auch im Wachstum zeigt Intel Schwächen gegenüber der Konkurrenz. Mit seinem Data-Centric-Segment sieht sich das Unternehmen gut für die Zukunft einer datengetriebenen Ökonomie positioniert (Cloud, KI und Autonomes Fahren). Das Wachstum auf Gesamtjahressicht ist mit 3 Prozent aber eher enttäuschend. Der einzige Lichtblick kam im vierten Quartal 2019, in dem sich das Umsatzwachstum auf 15 Prozent erhöhte. Enttäuschend ist auch, dass in diesem Segment bisher nur wenig Profit gemacht wird.

Zusammengefasst könnte man die Intel Aktie aus Value-Gesichtspunkten spannend finden. Ein Growth-Investor würde hier wohl auf besser positionierte Unternehmen wie NVIDIA (ISIN: US67066G1040) setzen. Weitere interessante Wachstumsaktien findest du auf der Watchlist der HGI-Strategie. Generell sollte man für ein Engagement in den aktuell turbulenten Zeiten eine Klärung der Marktsituation abwarten.

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Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.