Bitcoin bringt PayPal Aktie zum Fliegen

22.02.2021 | Frank Seehawer

PayPal Aktie

Der Online-Handel boomt und mit ihm auch die digitale Zahlungsabwicklung. Mit der Adyen Aktie hatten wir bereits ein vielversprechendes Fintech aus den Niederlanden vorgestellt, dem eine große Zukunft vorhergesagt wird. Eine ebenso große Zukunft könnte man auch der PayPal Aktie (ISIN: US70450Y1038) zuschreiben, einem der aktuellen Weltmarktführer im Bereich Digital-Payments.

PayPal macht schon deutlich länger Geschäfte als die in Amsterdam ansässige Adyen und verfügt daher über eine größere Nutzerbasis. Beeindruckend ist das seit Jahren starke Wachstum des Unternehmens bei einer gleichzeitig hohen Profitabilität. Auch überzeugt PayPal mit einer soliden Bilanz. Im laufenden Jahr sollen rund 50 Millionen neue Kunden hinzugewonnen werden, womit die eigene Plattform dann von deutlich mehr als 400 Millionen Menschen genutzt wird.

Zusätzliche Fantasien bringen die regelmäßigen Produktinnovationen wie beispielsweise der zuletzt verkündete Einstieg in den Bitcoin-Handel. Die zunehmende Fantasie macht sich auch in dem Bewertungsniveau der Aktie bemerkbar, welches sich mittlerweile jenseits von Gut und Böse befindet. Ob die PayPal-Aktie maßlos überbewertet ist, das möchten wir mit der folgenden Analyse herausarbeiten.


PayPal Unternehmensprofil – führende Plattform für digitale Zahlungen

PayPal ist der Betreiber einer Technologieplattform, welche digitale Zahlungen im In- und Ausland ermöglicht. Mit seiner Plattform ist es möglich, nur mit einer E-Mail-Adresse (also ohne Bankverbindung) Geld an eine andere E-Mail-Adresse zu überweisen. Das im Jahr 1998 gegründete Unternehmen ist ein Pionier im Bereich Digital Payment und konnte zuletzt 377 Millionen aktive Kunden zählen.

Im Jahr 2002 erwarb eBay PayPal für einen Betrag von 1,5 Milliarden US-Dollar und sorgte mit der Etablierung der Zahlungsmethode auf seiner Auktionsplattform für ein rasantes Unternehmenswachstum. Im Jahr 2015 wurde schließlich die deutlich schneller wachsende PayPal wieder von der Konzernmutter eBay getrennt und als eigene börsennotierte Gesellschaft gelistet. Der Grund für die Separierung ist auf aktivistische Investoren zurückzuführen, die in einer Trennung der beiden Geschäftsbereiche auf eine bessere Bewertung der beiden Unternehmensteile spekulierten. Mit Erfolg, denn seit der Eigenständigkeit ist der PayPal Aktienkurs regelrecht explodiert und das, obwohl eBay heute gar nicht mehr PayPal als primären Zahlungsabwickler einsetzt.

PayPal hat es seit jeher gut verstanden sich weiter zu diversifizieren und auf neue Produktinnovationen zu setzen. Auch Übernahmen spielten eine mehr oder weniger große Rolle in der Unternehmensentwicklung. Für Rückenwind sorgte der boomende Online-Handel.


Ein Blick in das letzte Geschäftsjahr 2020

Das letzte Geschäftsjahr 2020 schloss das in San José (Kalifornien) ansässige Unternehmen mit der besten Performance der Unternehmensgeschichte ab. Insgesamt wurde ein Zahlungsvolumen von 936 Milliarden US-Dollar abgewickelt, welches um 31 Prozent über dem Vorjahr lag. Die Umsatzerlöse konnten um 21 Prozent auf 21,5 Milliarden US-Dollar gesteigert werden und auch das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 31 Prozent auf 3,88 US-Dollar stark zu. Mit einem Zuwachs von fast 73 Millionen neuen aktiven Konten im Geschäftsjahr 2020 boomte PayPal in der Corona Pandemie.


Die letzten Quartalszahlen und der Ausblick auf 2021

Allein im vierten Quartal 2020 wurden 16 Millionen neue aktive Konten eröffnet. Das gesamte Zahlungsvolumen belief sich im vierten Quartal 2020 auf 277 Milliarden US-Dollar und lag damit um 39 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf 6,1 Milliarden US-Dollar und lagen um 23 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Und auch das Ergebnis je Aktie konnte auf bereinigter Basis um 29 Prozent auf 1,08 US-Dollar gesteigert werden. Damit konnte PayPal eine erhöhte Wachstumsdynamik im Vergleich zu den Vorquartalen ausweisen.

Beim Ausblick auf das Gesamtjahr 2021 erwartet PayPal ein weiterhin gutes Momentum. Erwartet wird vom Management, das gesamte Zahlungsvolumen im hohen 20er Prozentbereich zu steigern. Die Umsatzerlöse sollen sich um rund 19 Prozent erhöhen und das Ergebnis je Aktie soll auf bereinigter Ebene um rund 17 Prozent gesteigert werden. Das Wachstum soll dabei überwiegend organisch vollzogen werden, denn PayPal rechnet mit einem weiteren Anstieg der aktiven Konten im Geschäftsjahr 2021 um 50 Millionen.

Damit lässt sich festhalten, dass das Wachstum zwar etwas schwächer ausfallen soll im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr 2020, es sollte jedoch hoch bleiben.


Aktienkursentwicklung und wichtige Kennzahlen der Paypal Aktie

Wichtige positive fundamentale Kennzahlen aus der Levermann-Analyse, für die es entsprechend einen Punkt gab, sind die Eigenkapitalrendite (20,9 Prozent), die EBIT-Marge (15,9 Prozent) sowie die Eigenkapitalquote (28,5 Prozent). Die Werte sind zwar gut, für eine Platzierung unter den jeweils besten Werten der Levermann-Strategie reichen sie jedoch nicht.

Aktienkursentwicklung PayPal Aktie - 5 Jahre

Eine weitere positive Kennzahl ist das erwartete Gewinnwachstum. Dieses beläuft sich auf aktuell 30,5 Prozent und würde prinzipiell für eine Platzierung unter den Aktien mit hohem Gewinnwachstum in der Levrmann-Strategie ausreichen. Einzig das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 91 verhindert eine Aufnahme in diese Liste.

Als besonders gut kann man auch die finanzielle Situation des Unternehmens bezeichnen. Im letzten Quartal existierten nämlich über 13 Milliarden US-Dollar an Zahlungsmitteln sowie kurzfristigen Investments. Ihnen standen neun Milliarden US-Dollar an langfristigen Schulden gegenüber.

Durch Übernahmen in der Vergangenheit hat sich jedoch auch ein Goodwill in Höhe von 9,1 Milliarden US-Dollar gebildet. Gemessen an der Bilanzsumme von 70,4 Milliarden US-Dollar sowie einem Eigenkapital von mehr als 20 Milliarden US-Dollar kann die PayPal-Bilanz jedoch als solide ausgelegt werden. Besonders trifft dies zu, wenn man sich den starken Cashflow aus operativer Tätigkeit von zuletzt 5,9 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2020 anschaut.


Bewertung der PayPal Aktie

Die Bewertung der PayPal Aktie war in der Vergangenheit schon immer hoch und tangierte oft das Maß von 40 beim Kurs-Gewinn-Verhältnis. Heute liegt die Bewertung mit einem aktuellen KGV 91 deutlich über diesem Wert.

PayPal Aktie - KGV aktuell

Dass die PayPal Aktie auch gemessen an dem Free Cashflow von fast fünf Milliarden US-Dollar teuer ist, zeigt der Blick den aktuellen Enterprise Value von 332,7 Milliarden US-Dollar. Hier wird die PayPal Aktie nämlich mit einem Multiplikator von 66,7 bewertet. In Anbetracht des hohen Wachstums sowie der durchaus positiven Zukunftsaussichten könnte das Unternehmen jedoch wiederum attraktiv sein.

Um dies abschließend besser zu beurteilen, lohnt sich ein Blick auf einige Kennzahlen der High-Growth-Investing-Analyse. Auffallend ist, dass das Unternehmen mit einem Enterprise Value in Relation zum Umsatz (EV/Sales) von 15,5 auch hier teuer ist. Auch das PEG-Ratio, welches das KGV in Relation zum Gewinnwachstum setzt, ist mit 2,4 eher unattraktiv. Kalkuliert man zukünftig mit einem von PayPal prognostizierten Ergebniswachstum von 17 Prozent, so dürfte das PEG-Ratio zukünftig noch unattraktiver werden.

PayPal Aktie - EV/Sales

Deutlich erkennbar ist hingegen ein signifikanter Anstieg der Bewertungskennzahlen in den letzten Monaten, d.h. die PayPal Aktie ist zuletzt wesentlich teurer geworden


Fazit zur PayPal Aktie

Die PayPal Aktie ist eine fantastische Möglichkeit, um an dem Wachstumsmarkt digitaler Zahlungsmöglichkeiten zu profitieren. Die Nutzerbasis wächst seit Jahren und sollte auch im laufenden Jahr mit 50 Millionen neuen aktiven Konten weiter ansteigen. Das Wachstum wird von Unternehmensseite im hohen zweistelligen Bereich erwartet und auch das Ergebniswachstum sowie die Profitabilität sind überzeugend.

Das einzige Problem an der PayPal Aktie ist ihre Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 90 ist das Unternehmen nämlich alles andere als günstig. Selbst bei einem erwarteten Gewinnwachstum von über 20 Prozent ist die Aktie noch als teuer anzusehen. Einen signifikanten Anstieg der Bewertung konnte man seitdem Corona-Crash im März 2020 erkennen. Einen solchen konnte man jedoch auch bei vielen anderen Technologieunternehmen feststellen. Ob sich hier eine Blase gebildet hat oder ob Investoren dem Unternehmen nun zurecht verbesserte Zukunftsaussichten beimessen, beispielsweise durch den baldigen Handel von Bitcoins über PayPal-Accounts, bleibt eine interessante Fragestellung.

Fakt ist, dass das Unternehmen durch den Handel sowie die Verwahrung des Bitcoin profitieren könnte. Die digitale Währung ist aktuell heiß begehrt und könnte das Nutzerwachstum in der Zukunft weiter anfeuern. Auch könnte der Handel zu einem Anstieg der Transaktionsvolumen führen.

Kritisch könnte man jedoch anmerken, dass der Bitcoin selbst eine Konkurrenz zu PayPal ist – und zwar disruptiv. Schließlich könnte es der Bitcoin ermöglichen, Geld ohne Gebühren zu transferieren.

Bisher gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass die PayPal-Plattform durch den Bitcoin oder die zunehmende Konkurrenz an Attraktivität verliert. Schon seit Jahren sprießen neue Fintechs wie Pilze aus dem Boden. Dies alles führte bei PayPal selbst jedoch nie zu einer ernsthaften Bedrohung. Der Markt scheint damit für viele Technologien Platz zu bieten.

PayPal besitzt einen entscheidenden Vorteil gegenüber den FinTech-Konkurrenten: Seine Plattform verfügt bereits über eine kritische Nutzerbasis, die entscheidend für einen Erfolg in der Welt der Plattform-Ökonomie sein kann.

Abschließend betrachtet beinhaltet die PayPal Aktie aufgrund ihrer hohen Bewertung sowie der disruptiven Bedrohung durch digitale Währungen ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Auf der anderen Seite könnte der Bitcoin jedoch auch eine Riesenchance für die Aktie darstellen, die sich bisher gegen jede neue Bedrohung gut behaupten konnte.

Konservative Investoren werden angesichts der hohen Bewertung abwarten. Risikobereite Investoren können sich wahrscheinlich nicht die potenziellen Chancen der Paypal-Plattform entgehen lassen. Schließlich könnte es gut möglich sein, dass in Zukunft vielleicht eine Milliarde Menschen oder mehr bei PayPal registriert sind.


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Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.